„Man kann den beiden zu diesem CSI nur gratulieren!“

(Pinneberg) Zwei Prüfungen, in denen es jeweils 30.000 Euro zu gewinnen gab und eine, in der ein Preisgeld von 10.000 Euro verteilt wurde: Für die Reiter beim CSI**** Hof Waterkant in Pinneberg ging es am vierten Veranstaltungstag um viel – um beachtliche Gewinnsummen und natürlich um sportliche Ehren. Und so wunderte es nicht, dass die Sportler mit ihren vierbeinigen Athleten im Parcours ihr Bestes gaben, um vorne mit dabei zu sein. Im Championat der Itzehoer Versicherung, einer Zwei-Phasen-Springprüfung der Vier-Sterne-Tour, setzte der dänische Nationenpreisreiter Andreas Schou seine elfjährige KWPN-Stute Granate brillant über den Hindernissen in Szene. Verdient führte das Paar die Ehrenrunde nach einer Top-Zeit in Phase zwei (0/27,72) an. 7.500 Euro wurden auf dem Siegerscheck notiert. „Granate ist eine echte Freundin und sie würde ihr Herz für mich geben, um fehlerlos über die Sprünge zu kommen“, strahlte der 35-Jährige, der gemeinsam mit seinem Bruder Christian einen Ausbildungs- und Vermarktungsstall im nördlichen Nachbarland betreibt. Und über das CSI**** Hof Waterkant fand Andreas Schou nur herzliche, anerkennende Worte: „Ich war schon im vergangenen Jahr hier und jetzt ist das Turnier noch schöner und besser geworden. Was Janne und Christoph ins Leben gerufen haben, ist etwas, was der Szene oft genug fehlt: nämlich eine Top-Veranstaltung für Pferde und Reiter, die von Menschen mit Pferdeverstand organisiert wird. Alles ist hier hochprofessionell, aber besticht dennoch mit Charme und einem wunderschönen Ambiente. Man kann den beiden zu diesem CSI nur gratulieren.“
Eine goldene und eine silberne Schleife hat der Italiener Emanuele Gaudiano in Pinneberg bereits gewonnen, nun kam mit dem Oldenburger Fuchswallach Chalou v. Chacco-Blue ein weiterer zweiter Platz im Championat hinzu (0/27,82). Und an dritter Position rangierte ein Holsteiner, der in Pinneberg offensichtlich auch gerne vorne mit dabei ist: Hannes Ahlmann aus Reher mit seinem imposanten zwölfjährigen Hengst Nerrado v. Nekton (0/28,24). Bereits gestern freuten sie sich im Eickendorf Horses und Meyer-Zimmermann Sport & Business Cup über den zweiten Rang.

Zweite schwere Aufgabe
Im TheurerTrucks Masters Grand Prix, eine Springprüfung mit Stechen der CSI**-Tour und ebenfalls mit 30.000 Euro dotiert, traten 72 Teilnehmer an. Zwölf qualifizierten sich für den finalen Höhepunkt. Und es siegte ein Paar, das sich noch gar nicht so lange kennt: Jens Baackmann aus Harvixbeck und seine zehnjährige Holsteiner Stute Caya v. Clarimo. In tadellosen 41,22 Sekunden flogen die beiden über die Ziellinie. „Ich reite Caja seit vier Wochen, seit einer Woche gehört sie mir. Das war unser erstes Stechen und ich freue mich sehr, dass es gleich so gut geklappt hat. Wir haben viel riskiert und hatten auch ein bisschen Glück“, lachte Baackmann. Rene Dittmer (RV Harsefeld u. Umgeb.) und sein zwölfjähriger KWPN-Wallach Farrero rangierten auf Platz zwei (0/41,69) vor Katrin Eckermann (RV Kranenburg u.Umgeb.) mit Christian`s Chacco v. Chacco-Blue (0/41,96).

Mercedes Benz machte es möglich
In der CSI U25-Tour, dem Mercedes-Benz Hamburg Rising Star Grand Prix bekamen die Nachwuchsstars ihre Bühne. In der Springprüfung mit Stechen über 1,45 Meter trat fast alles an, was in dem Alter in der Republik Rang und Namen hat: mit Johanna Beckmann, Henrike Ostermann und Hannes Ahlmann immerhin drei Mitglieder der deutschen Equipe, die erst vor wenigen Wochen bei den Europameisterschaften im spanischen Oliva die Mannschaftssilbermedaille gewonnen hat. Den Pokal sicherte sich allerdings ein Reiter, der bereits am Donnerstag eine Prüfung der U25-Tour für sich entschieden hatte und die Zeit in Pinneberg nur deshalb genießen durfte, weil er sich eine kurze Pause von der Ernte zuhause verschafft hatte: der Fehmaraner Sven Gero Hünicke, Mit seinem Holsteiner Wallach Cedric v. Clarimo beendete er das Stechen mit null Fehlern und 42,72 Sekunden. Der Däne Nicolas Pedersen und sein Tailormade Diarado`s Boy kamen bis auf eine Hunderstel an die Zeit von Hünicke heran (0/42,73), knacken konnten sie sie jedoch nicht. Teike Carstensen aus Sollwitt und ihr Holsteiner Wallach Mitch v. Mylord Carthago schlossen das Stechen auf Rang drei (0/43,51) ab.

Eröffnet wurde der Tag beim CSI Hof Waterkant übrigens mit dem Preis der Bemer Group. In der TheurerTrucks 2Go Amateur Tour maßen sich die Non-Profis über 1,15 Meter, 1,25 Meter und 1,40 Meter. In der Small Tour stand Pia Gerding vom RFV Penningbüttel mit ihrer Goldfinch Giulietta ganz vorne. Die Medium Tour führte Emmy Pauline Kröger vom Norddeutschen und Flottbeker Reiterverein mit ihrem Holsteiner Wallach Gru an und Daniela Haase (RSC Handorf-Langenberg e.V.) pilotierte Kyamant van’t Spielveld im Punktespringen mit Joker in der Large Tour zu Platz eins.

Zwei Mal Gold
Nach der letzten Prüfung im Parcours wurde zwei besondere Auszeichnungen an Henrike Ostermann und Johanna Beckmann verliehen. Beide erhielten für ihre Erfolge im Parcours, nämlich für zehn Siege in der Klasse S, das Goldene Reitabzeichen.
Die aus Löningen stammende, 20-jährige Henrike Ostermann absolviert aktuell bei Janne Friederike Meyer-Zimmermann und Christoph Zimmermann ihre Ausbildung, gewann bereits das Bundesnachwuchschampionat und avancierte erst im vergangenen Jahr zur Deutschen Meisterin bei den Jungen Reitern. Bundestrainer Peter Teeuwen lobte: „Hendrike, Du bist immer konzentriert und warst bei der EM eine besondere Stütze für unser Team. Es ist immer eine Freude, mit Dir zusammenzuarbeiten.“
Die 18-jährige Johanna Beckmann, die gebürtig aus Schleswig-Holstein kommt und nun in Löningen zuhause ist, gehörte ebenso wie Henrike Ostermann zur silbernen Equipe der EM in Spanien. Großonkel Tjark Nagel verbarg in seiner Laudatio nicht seinen Stolz und verwies unter anderem auf ihre hocherfolgreiche Ponyzeit. Peter Teeuwen fügte hinzu: „Mit Ponys hast Du das Handwerk von der Pike auf gelernt. Der Umstieg aufs Pferd ist Dir tadellos geglückt. Im Team bist Du immer positiv und motivierst Deine Kollegen. Das hat schon oft zum Erfolg geführt.“
Und abschließend erklärte Bundestrainer Teeuwen: „Ich möchte mich bei Janne Friederike Meyer-Zimmermann und Christoph Zimmermann bedanken, dass sie den Nachwuchsreitern bei ihrem Turnier ein Parkett bieten, wo sie ihre Leistung zeigen und sich mit der internationalen Reiterelite messen können. Vielen Dank, das ist nicht selbstverständlich.“


DAS CSI HOF WATERKANT INTERVIEW MIT: GERRIT NIEBERG

Der 29-jährige Gerrit Nieberg aus Sendenhorst hat vor wenigen Wochen beim CHIO in Aachen, dem Weltfest des Pferdesports, mit seinem westfälischen Wallach Ben sensationell den Großen Preis gewonnen. Mit seinem fulminanten Ritt sicherte der Sohn des zweimaligen Mannschaftsolympiasiegers Lars Nieberg das unglaubliche Preisgeld von 500.000 Euro. Das ging an seinen Vater und dessen Arbeitgeber Hendrik Snoek als Besitzer von Ben. Und wenn es gut läuft, wird diese Prämie noch erhöht: Denn im kanadischen Calgary findet in wenigen Wochen die nächste Grand-Slam-Station statt und dann geht es um das beeindruckende Gewinngeld von einer Millionen Euro. Vorher hat der sympathische Reiter aber beim CSI**** Hof Waterkant Halt gemacht und unsere Fragen im Interview beantwortet.

Gerrit, Du warst im vergangenen Jahr schon bei der Premiere des CSI Hof Waterkant hier. Bist Du gerne wiedergekommen?
Gerrit Nieberg: Selbstverständlich! Janne und Christoph geben alles, damit Pferde und Reiter hier beste Bedingungen vorfinden. Das merkt man und deshalb macht es so viel Spaß, hier dabei zu sein. 2021 war ich mit Ben im Großen Preis von Holstein Zweiter. In diesem Jahr werde ich Blues D´Aveline CH reiten, einen zehn Jahre alten in der Schweiz gezogenen Wallach. Ben habe ich mit dabei und bin mit ihm in der DVAG Trophy am Donnerstag an den Start gegangen. Aber das CSI hier in Pinneberg ist sein erstes Turnier nach Aachen, vorher hatte er Pause und jetzt geht es für ihn darum, lässig wieder reinzukommen. Blues D´Aveline CH habe ich seit einem Jahr und wir waren bis jetzt bis 1,60 Meter platziert, zum Beispiel in der Global Tour in Hamburg. Ich bin sehr froh, dass ich ihn habe und setze große Hoffnungen in ihn, dass er zu Ben aufschließt, sodass ich zwei Pferde für die ganz schweren Prüfungen habe und die Zwei sich immer etwas abwechseln können.

Aber Dein Once-in-a-Lifetime-Pferd wird ja wohl Ben bleiben, oder? Beschreibe ihn bitte.
Gerrit Nieberg: Ja, definitiv. Aachen war mein bisher allergrößter Erfolg und Ben an meiner Seite!  Er ist immer supermotiviert, wenn er merkt, dass es in den Parcours geht. Er ist voller Energie und will alles zeigen, was er kann. Da ist es dann an mir, ihn etwas zu beruhigen und runterzubringen. Was ihn hauptsächlich auszeichnet, ist einfach diese enorme Einstellung. Die hat mein Vater schon sofort erkannt, als wir ihn vor vier Jahren bei seiner Züchterin entdeckt haben. Natürlich hat er viel Vermögen und ist vorsichtig. Und ganz wichtig: Die letzte Einstellung und den Willen, die ein Pferd für ganz oben braucht, die hat Ben. Generell ist er sehr aufmerksam und auf meine Pflegerin und mich fokussiert, wiehert, wenn einer von uns den Stall betritt. Und um ihn bei Laune zu halten, baue ich in mein tägliches Training viel Abwechslung ein, gehe mit ihm ausreiten oder spazieren oder er entspannt auf der Wiese. Ben bekommt schon etwas mehr Aufmerksamkeit bei uns, vor allem, weil er es ruhiger mag und nicht zu gerne von vielen anderen Pferden umgeben ist. Das berücksichtige ich natürlich in der täglichen Arbeit.

Du trainierst zusammen mit Deinem Vater. Funktioniert das immer gut?
Gerrit Nieberg: Es klappt prima. Selbstverständlich haben wir auch mal Meinungsverschiedenheiten, aber dann wird vernünftig darüber gesprochen und es ist wieder gut. Ich profitiere von seiner jahrelangen Erfahrung und Routine. Und da, wo wir jetzt sind – das habe ich ihm zu verdanken. Also, der Erfolg von Aachen ist mir nicht zu Kopf gestiegen.

Und wie sieht Deine weitere Saisonplanung aus?
Gerrit Nieberg: In zwei Wochen fahren wir nach London, da ist die nächste Etappe von der Global Champions Tour, anschließend kommt das Turnier der Sieger in Münster von unserem Chef Hendrik Snoek und dann geht es weiter nach Calgary. Da freue ich mich schon sehr drauf, weil ich mir vorstellen kann, dass Ben sich auf dem großen Platz sehr wohl fühlen wird. Und Ziel ist es, im Großen Preis ganz vorne zu stehen. Das wird sehr schwer. Aber ich meine, warum nicht? Einer muss ja gewinnen!

Und Deine generellen Ziele?
Gerrit Nieberg: Ein Traum war es, bei der Weltmeisterschaft in Aachen an den Start zu gehen. Da standen wir auf der Longlist, aber haben es leider knapp nicht ins Team geschafft. Aber grundsätzlich ist das mein Ziel: für Deutschland bei Championaten an den Start zu gehen.


Infos: www.hofwaterkant.com

Der Däne Andreas Schou und seine KWPN-Stute Granate avancierten zum Siegerpaar im Championat der Itzehoer Versicherung. (Foto: ACP Andreas Pantel)

Gerrit Nieberg, Sieger im Großen Preis des CHIO Aachen 2022. (Foto: RathmannVerlag/Malina Blunck)